Das Hadith von Ghadir Khumm im Lichte der Wahrheit
1. Einleitung
(Auf die Bedeutung des Wortes "Mawla" werden wir noch zu sprechen kommen, nach den Schiiten soll es hier "Führer" bedeuten)
An diesem Ort wurde der folgende Vers des Qurans offenbart:
"O du Gesandter! Verkünde, was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde; und wenn du es nicht tust, so hast du Seine Botschaft nicht verkündigt. Und Allah wird dich vor den Menschen schützen. Wahrlich, Allah weist den ungläubigen Leuten nicht den Weg." [5:67]
Der letzte Satz dieses Verses zeigt, dass der Prophet sich sorgte, wie die Reaktion der Menschen sein würde wenn er ihnen die Nachricht verkündet, doch Allah lässt ihn wissen, dass er ihn vor den Menschen beschützen wird.
Sodann folgte der Schlüsselsatz, welcher die klare Bestimmung Alis zum Führer der muslimischen Gemeinschaft zeigte. Der Prophet hob die Hand Alis und sagte:
"Wessen Führer ich bin, dessen Führer ist Ali."
Unmittelbar nachdem der Prophet seine Rede beendet hatte, folgte die Offenbarung des folgenden Quranverses:
"Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt." [5:3]
Dieser Vers zeigt ganz klar, dass der Islam ohne eine Klärung der Frage nach der Führerschaft nach dem Propheten noch nicht vollständig war und dass die Verkündung seines direkten Nachfolgers durch den Gesandten seine Vollendung war.
2. Warum es keinen Sinn ergibt
Die Schiiten behaupten der Gesandte Allahs (saws) hätte seine letzte Pilgerfahrt vollendet, seine Abschiedspredigt auf dem Berg Arafat in Mekka gehalten und anschließend in Ghadir Khumm Ali (ra) zu seinem Nachfolger ernannt. Ghadir Khumm ist in der Nähe der heutigen Stadt Al-Juhfa gelegen. Es war eine Wasserstelle in mitten der Wüste, 170 km nördlich von Mekka. Allein schon diese große Entfertnung von Mekka lässt einen aufhorchen.Wie wir alle wissen hielt der Prophet (saws) seine Abschiedspredigt während seiner letzten Pilgerfahrt in Mekka vor einem Großteil der gesamten Ummah, welche aus den verschiedensten Städten angereist war um die Pilgerfahrt mit dem Gesandten durchzuführen. Wenn der Gesandte Allahs tatsächlich Ali zu seinem Nachfolger hätte erklären wollen, dann gäbe es absolut keinen nachvollziehbaren Grund dafür, warum er es nicht während seiner Abschiedspredigt in Mekka hätte tun sollen, sondern stattdessen während eines kurzen Halts an einer kleinen Raststelle mitten in der Wüste, vor nur einem Bruchteil der Muslime, welche in Mekka anwesend waren.
Denn nachdem die Pilgerfahrt beendet war, kehrten der Gesandte Allahs (saws) und die Muslime in ihre jeweiligen Heimatstädte zurück. Die Leute aus Medina, Taif, Jemen, Kufa und Syrien kehrten in ihre jeweilige Heimat zurück und die Bewohner Mekkahs verblieben in Mekkah.
Lediglich jene Gruppe, welche in Städten im Norden der arabischen Halbinsel lebte, passierte Ghadir Khumm, also jene welche in Richtung Medina reisten, sowie ein Teil jener welche in Gebieten wie Syrien lebten. Aus diesem Grund war zu dem Zeitpunkt, als der Prophet (saws) in Ghadir Khumm haltmachte ein großer Teil der Muslime nicht mehr anwesend, da es für sie keinerlei Sinn gemacht hätte zunächst 170 km gen Norden zu ziehen nur um dann wieder in die entgegengesetzte Richtung umzukehren.
Entgegen schiitscher Behauptungen ernannte der Gesandte Allahs Ali also nicht in Anwesenheit beinahe aller Muslime zu seinem Nachfolger, sondern wenn, dann nur vor einer kleinen Minderheit. Aus diesem Grunde sind auch die Zahlen von 100,000 Menschen und mehr schlichtweg utopisch und frei aus der Luft gegriffen. Die Schiiten argumentieren mitunter damit, dass Ghadir Khumm ein Drehkreuz gewesen sei, an dem sich die Rückkehrer in die verschiedenen Gebiete auf ihre jeweiligen Wege begeben hätten. Ein Blick auf die Karte zeigt aber schnell wie unsinnig diese Behauptung ist:

3. Was wirklich geschah
Niemand leugnet das Ereignis von Ghadir Khumm, was wir allerdings verneinen ist die von den Schiiten betriebene Übertreibung bezüglich dessen was bei diesem Ereignis gesagt wurde. Es ist daher notwendig die Umstände der Aussage in Ghadir Khumm zu betrachten. Was in Ghadir Khumm tatsächlich geschah war, dass der Gesandte Allahs (saws) auf einige Einzelpersonen reagierte, welche Ali ibn Abi Talib (ra) kritisierten. Die Vorgeschichte die zu dieser Kritik führte war, dass der Prophet (saws) Ali (ra) zuvor zusammen mit 300 Mann gen Jemen zu einem Erkundungszug entsandte. Die von Ali (ra) geführte Armee war überaus erfolgreich und machte eine große Menge Kriegsbeute, doch über eben diese Beute kam es zum Konflikt zwischen Ali (ra) und seinen Soldaten.Ibn Kathir berichtet hierüber in seinem Werk al-Bidayah wan-Nihayah:
Neben dem Fünftel der Beute, welches für den Staat bestimmt war, blieb genug Kleidung übrig um die gesamte Armee neu einzukleiden, doch Ali entschied, dass es dem Propheten unberührt übergeben werden müsse.
Nach dem Sieg übergab Ali das Kommando über die Truppen an seinen stellvertretenden Befehlshaber, während er selbst nach Mekka voreilte, um den Gesandten bei der Pilgerfahrt zu begleiten.
Ibn Kathir schreibt weiter:
Während seiner Abwesenheit jedoch lies sich der Mann, welchem er die Verantwortung übertragen hatte, überreden jedem Soldaten einen Satz neuer Kleidung zu leihen. Sie bedurften des Kleiderwechsels äußerst dringend, da sie bereit für beinahe drei Monate unterwegs waren.
Wenig später machten sich dann auch die in Jemen stationierten Truppen auf den Weg nach Mekka um die Pilgerfahrt zusammen mit dem Propheten zu begehen.
Als sie kurz davor waren Mekka zu betreten ritt Ali zu ihnne aus umd sie zu treffen. Als er sie sah, wunderte er sich ob ihres veränderten Äußeren. Der stellvertretende Kommandant sagte: "Ich habe ihnen die Kleider gegeben, damit ihr Aussehen schicklicher ist, wenn sie unter den Leuten sind." Die Männer wussten, dass jeder in Mekka aufgrund des feierlichen Anlasses seine besten Kleider tragen würde und sie waren daher bemüht bestmöglich auszusehen. Ali jedoch war der Ansicht, dass er es nicht dulden könne, dass sich derartige Freiheiten herausgenommen werden, weshalb er befahl, dass wieder die alten Kleider angelegt werden und dass die neuen zurück zu zur Beute zu geben sind. Diese Entscheidung rief in der gesamten Armee große Verärgerung hervor, und als der Prophet davon erfuhr sagte er: "Oh ihr Leute, tadelt Ali nicht, denn er ist zu gewissenhaft in der Sache Allahs als dass er zu tadeln wäre." Jedoch genügten diese Worte nicht, oder vielleicht wurden sie nur von einigen wenigen gehört, weswegen der vorherrschende Unmut anhielt.
Auf dem Weg zurück nach Medina beschwerte sich ein Mann aus den Truppen beim Gesandten Allahs über Ali, woraufhin sich sein Gesicht verfinsterte. Er sagte: "Bin ich den Gläubigen nicht näher als sie sich selbst?" Und als der Mann dies bejahte fügte er hinzu: "Wessen Mawla ich bin, dessen Mawla ist Ali." Später auf der Reise, als sie bei Ghadir Khumm Halt machten versammelte er die Leute, nahm die Hand Alis und wiederholte diese Worte. Er fügte zudem noch folgendes Bittgebet hinzu: "Oh Allah, sei der Freund dessen, welcher sein Freund ist und sei ein Feind dessen, welcher sein Feind ist." Hernach war dem Gerede gegen Ali ein Ende gesetzt.
Die Soldaten unter dem Kommando Alis (ra) waren nicht nur über die Rückgabe der Kleidung verärgert, sondern über die Verteilung der Beute im Allgemeinen. Die Muslime hatten dank der hervorrangenden Führung Alis (ra) eine große Menge an Kamelen erbeutet, doch Ali (ra) verbot ihnen sie an sich zu nehmen. Al-Bayhaqi berichtet von Abu Said, dass Ali (ra) sie daran hinderte, die Kamel der Kriegsbeute die sie gemacht hatten zu reiten. Als Ali (ra) jedoch nach Mekka ging, gab sein Stellvertreter den Bitten der Leute nach und erlaubte ihnen die Kamele zu reiten. Als Ali (ra) dies sah wurde er wütend und tadelte seinen stellvertetenden Befehlshaber. Abu Said (ra) sagte: "Als wir auf dem Weg zurück nach Medina waren, erzählten wir dem Propheten von der Grobheit, die uns von Seiten Alis wiederfahren war. Der Prophet sagte: "Hört auf, bei Allah, ich weiß, dass er gutes auf dem Pfade Allahs getan hat."
Ähnliches ist in Ibn Ishaqs Sirah Nabawwiyah zu lesen:
Als Ali aus dem Jemen zurückkehrte um den Gesandten in Mekka zu treffen, eilte er voraus und übergab einem seiner Gefährten das Kommando über seine Armee. Dieser ging und kleidete alle Männer in der Streitmacht aus den Kleidern die Ali hatte neu ein. Als die Armee sich Mekka näherte ritt Ali aus um sie zu treffen und fand sie neu eingekleidet vor. Als er fragte was passiert sei sagte sein Stellvertreter, er habe ihnen die neuen Kleider gegeben, damit sie angemessen gekleidet sind, wenn sie sich unter die Menschen mischen. Er sagte ihnen, dass sie die Kleider wieder ausziehen sollten, bevor sie mit dem Gesandten Allahs zusammentreffen und sie handelten entsprechend und gaben sie zurück zur Beute. Die Armee zeigte Unmut über die Behandlung die sie erfuhren. Als ein Mann sich über Ali beschwerte stand der Gesandte Allahs auf um sich an sie zu richten und er [der Überlieferer] hörte ihn sagen: "Tadelt Ali nicht, denn er ist zu gewissenhaft in den Angelegenheiten oder auf dem Weg Allahs um getadelt zu werden."
(Ibn Ishaq: Sirat Rasul Allah, S. 650)
Ibn Kathir berichtet, dass die Männer in der Armee begannen Ali (ra) zu kritisieren, weil dieser sie daran hinderte die Kamele zu reiten und weil er ihnen die neuen Kleider wegnahm welche sie an sich genommen hatten. Es waren eben diese Männer, welche den Gesandten Allahs (saws) nach Medina über Ghadir Khumm begleiteten und sie sind es, welche im bekannten Hadith von Ghadir Khumm angesprochen werden.
Und tatsächlich lesen wir in Tariq al-Islam, wo das Ereignis von Ghadir Khumm unter der Überschrift "Die Tröstung Alis" zu finden ist folgendes:
Die Tröstung Alis
Während der Pilgerfahrt beschwerten sich einige der Mitstreiter Alis, welche mit ihm in Jemen waren, beim Gesandten Allahs über ihn. Einige der Differenzen der Leute des Jemen hatte für Anlass zu Unmut gesorgt. Sich an die Gefährten in Ghadir Khumm richtend sprach der Gesandte Allahs in Hochschätzung Alis: "Wessen Freund ich bin dessen Freund ist Ali..." Im Anschluss an diese Worte gratulierte Umar Ali und sagte: "Von diesem Tage an bist du ein besonderer Freund für mich." Der Prophet kehrte zurück nach Medina und sein Sohn Ibrahim verstarb.
(Tariq al-Islam, Band 1, Seite 241)
4. Die Bedeutung des Wortes Mawla
Das Wort Mawla kommt sehr häufig in den Hadithen vor und es wird vielen als Titel zugeschrieben. Es kann sich auf einen Herrn, einen Besitzer, einen Wohltäter, jemanden der einen Sklaven befreit hat, einen Unterstützer, jemanden der einen anderen liebt, einen Anhänger, einen Nachbarn, einen Cousin, einen Verbündeten, einen angeheirateten Verwandten, einen Sklaven, einen befreiten Sklaven oder jemanden der einem eine Gefallen getan hat beziehen. Viele dieser Bedeutungen werden in den verschiedensten Hadithen angewandt und ergeben sich aus dem Kontext, in welchem das Wort genannt wird. Jeder, der die Verantwortung trägt sich um etwas zu kümmern ist der Mawla dieser Sache. Das Wort Mawla wie es im genannten Hadith vorkommt kann sich auf die Mehrzahl der genannten Bedeutungen beziehen. Asch-Schafii (r) sagte: Was damit gemeint ist, ist die Verbundenheit im Islam, so wie Allah sagt: "Und dies weil Allah der Mawla der Gläubigen ist und die Ungläubigen haben keinen Mawal" [47:11].
Es ist nicht korrekt Mawla als Führer, welcher die Verantwortung über die Angelegenheit der Muslime trägt, zu interpretieren, denn die einzige Perspn, die diese Verantwortung während der Lebzeiten des Gesandten Allahs trug, war er selber und niemand anderes, weswegen das Wort Mawla so interpretiert werden muss, dass es sich auf die Liebe, die Verbindung durch den Islam und so weiter bezieht.
Ibn Saad berichtet, was vom Enkel Alis, al-Hassan ibn Hassan überliefert wurde:
Ein
Rafidhi sagte zu ihm (Al-Hasan ibn Hasan): "Sagte der Gesandte Allahs
nicht zu Ali: Wessen Mawla ich bin, dessen Mawla ist Ali“? Er erwiderte: „Bei Allah, wenn er wirklich das Kalifat und die
Herrschaft gemeint hätte, so wäre er expliziter gewesen um dies zum
Ausdruck zu bringen, genauso explizit wie in seinen Ausführungen über
das Gebet, die Zakah und die Hajj zum Haus (Allahs). Er hätte gesagt: Oh Menschen! Dies ist euer Herrscher nach mir. Der Gesandte Allahs
gab den besten Rat zu den Leuten (d.h. mit klarer Bedeutung).“
(Al-Tabaqat Al-Kubra, Band 5)
